29.06.2009

Marmorberge (Non Nuoc)

Fährt man auf der Küstenstrasse von Da Nang südlich in Richtung Hoi An, sieht man nach ca. 9 km die Marmorberge (engl. Marble Mountains, vietnamesisch: Ngũ Hành Sơn). Die Bezeichnung Ngũ Hành Sơn is zu Deutsch „Berge der fünf Elemente“. Das sind 5 bewaldete Felskegel aus Marmor; sie ragen plötzlich bis zu 100 m hoch aus der Landschaft empor.

Nach der klassischen orientalischen Philosophie ist jeder Berg nach einem der fünf Elemente (Ngũ Hành) benannt: Kim Son (Kim: Metall), Moc Son (Mộc: Holz), Thuy Son (Thủy: Wasser), Hoa Son (Hỏa: Feuer) und Tho Son (Thổ: Erde). An und in den Bergen finden sich einige interessante Höhlen, Grotten und buddhistische Tempel mit natürlichen Eingängen und verbunden durch Tunnelsysteme. Hier werden bis heute hinduistische, taoistische und vor allem buddhistische Gottheiten verehrt. Für Vietnamesen ist dies ein bekannter Wallfahrtsort. Für uns Touristen ist es ein Ort zum Erkunden und Erklettern und zum Staunen über die Vielfalt der vietnamesischen Möglichkeiten der Götterverehrung. Wichtig: Feste Schuhe sind Voraussetzung und das Wissen, dass es heiß ist in Vietnam, heiß und oft feucht.

Die meisten Touristen ersteigen den Thủy Sơn (Berg des Wassers). Die vielen Höhlen und Pagoden im und auf dem Berg wurden seit Beginn des 17. Jhs. geformt und ausgebaut. Hunderte sehr steile und meist aus dem Stein geschlagene Stufen führen zum Gipfel. Nach ca. 150 Steinstufen steht man vor dem Tam Quan Tor. Neben dem Tor steht der Turm Vong Giang, von dem man einen guten Ausblick u.a. auf den Kim Son (Berg des Metalls) und die umgebende Küste My Khe Strand und Non Nuoc Strand hat. Der Turm wurde im 18. Jh. vom König Minh Mang erbaut.

Der Pfad führt weiter durch das Tor zu einer Anzahl von Höhlen und Pagoden. Die Van Nguyet Grotte liegt eingebettet zwischen hohen Felswänden. Eine Öffnung weit oben lässt diffuses Licht in die Grotte einströmen. Dieser Platz lädt ein zum Ausruhen. Dabei aus einer frischen Kokosnuss zu trinken tut gut. Die Van Thong Höhle bleibt links liegen und auf der rechten Seite befindet sich eine Buddhastatue, hinter der ein Pfad hinauf bis zum Gipfel führt, die ‚Straße zum Himmel’. Nachdem man den Pfad endlich geschafft hat, steht man oberhalb der Höhle vor einer Öffnung von ca. einem Meter Durchmesser. Klettert man hindurch, wird man mit einem herrlichen Panoramablick auf die Umgebung belohnt. Man sollte sich fit fühlen, weil es sich mehr um ein Hochklammern als um ein Hochklettern handelt. Trotzdem: Es ist zwar sehr eng und steil, aber es lohnt sich und ist irgendwie spannend.

Der Pfad hinunter ist ein anderer. Beim Hinabsteigen kommt man an die Linh Ung Pagode, die auf das nahe Meer hinausweist. Einst war diese Pagode eine einfache Bambushütte. Der Herrscher Gia Long, der Erste aus der Nguyen Dynastie, baute daraus eine Pagode, die er Ung Chan nannte. Unter dem Herrscher Minh Mang wurde sie erweitert. 1841 benannte der Herrscher Thanh Thai die Pagode um in Linh Ung. Hier finden sich viele Buddha- und Bodhissatta-Statuen (ein Bodhissatta ist ein zukünftiger Buddha, er ist auf dem Weg zur Erleuchtung).

Es gibt noch einige Höhlen, deren Besuch sich lohnt, wenn man schon einmal dort ist. Die Ngu Coc oder Laternenhöhle: Sie ist eng, niedrig und führt tief in Berg, sehenswert ist sie wegen der vielen Lavaformen, die sich hier ausgebildet haben. Die Am Phu Höhle: Sie ist hoch, ausladend und führt ebenfalls sehr tief in den Berg. Ungefähr 30 Meter weiter unten finden sich große Steinsäulen und enge Höhlen mit bodenlosen Brunnen, die mit dem Meer verbunden sein sollen.

Der Pfad hinunter vom Berg hat mehr als 100 Stufen und führt in ein Steinmetzdorf, in dem Einheimische und Touristen Statuen aller Größen und Formen finden. Hier können auch Steinmetze bei ihrem Handwerk beobachtet werden. Die Gegend um die Marmorberge ist berühmt für ihre Steinmetzarbeiten. Der Marmor hier darf schon lange nicht mehr abgebaut werden. Er wird aus nördlichen Provinzen Vietnams angeliefert, wie z.B. Thanh Hoa.

Info: Sicher haben Sie schon bemerkt, dass Bummeln in Vietnam nicht so betulich abläuft wie bei uns. Vietnamesische Händler und Händlerinnen sind aus unserer Perspektive laut, manchmal aufdringlich und fassen einen an. Das ist so. Am Besten, man lässt sie einfach und bleibt cool, wenn man Glück hat, lassen sie einen dann auch in Ruhe.

Von Da Nang aus kann man die Marmorberge auf verschiedenen Wegen erreichen:
• Sie können an einer Tour teilnehmen – was immer auch etwas Hetze und Stress beinhaltet.
• Sie können ein Taxi mieten (ca. 70000 Dong = ca. 2,6 €).
• Sie lassen sich auf einem Motorrad hinbringen (Helmpflicht, ca. 15.000 Dong = ca. 0,6 €.
• Wer sehr sportlich und hitzebeständig ist, kann sich auch ein Fahrrad leihen. Oder Sie trauen es sich zu, selbst Motorrad zu fahren. Auch das kann man überall leihen. Allerdings sind die Regeln und der Verkehr selbst undurchschaubar und Sie sollten sich das gut überlegen.
• Öffentliche Verkehrsmittel (Busse von Da Nang) bringen Sie auch hin.

Es werden sicher ein paar interessante, spannende, schöne und heiße Stunden. Viel Spaß!