25.01.2012

Pagoden in Ho Chi Minh Stadt

In Vietnam bieten Pagoden eine letzte Ruhestätte sowie die Möglichkeit, mit den Verstorbenen in Kontakt zu bleiben. Darüber hinaus dienen sie auch als Vorbereitung auf das Leben nach dem Tod, was man zum Beispiel daran sehen kann, dass manche Menschen bereits früh einen Platz an diesem Ort reservieren, so dass alles vorbereitet ist, wenn ihre Zeit gekommen ist die physische Welt zu verlassen.

 

Die Khanh Van Nam Pagode ist eine solche Pagode, die häufig von Gläubigen besucht wird. Sie liegt im Bezirk 11 von Ho-Chi-Minh-Stadt und wurde zwischen 1939 und 1942 von der kantonesischen Gemeinde erbaut. Dies soll die einzige rein taoistische Pagode in Vietnam sein, wobei in ihr über 2.000 Taoisten leben und beten.

 

Chu Tu oder „Onkel Vier“ ist der Hüter des Ascheraums in der Khanh Van Nam Pagode. Er ist chinesisch-vietnamesischer Herkunft und arbeitet seit den 1990er Jahren im Ascheraum der Pagode. Ihm zufolge kommen Angehörige der Toten das ganze Jahr über, um die Urnen zu reinigen und für die Seelen ihrer Liebsten zu beten, vor allem jedoch vor, während und nach dem Vu Lan Fest oder dem „Fest aller Seelen“, das am 15. Tag des siebten Mondmonats abgehalten wird.

 

Der Ascheraum der Khanh Van Nam Pagode wurde im Jahre 1977 erbaut, nachdem ein nahe gelegener Friedhof aufgrund von Räumungsarbeiten zerstört wurde. Die Pagode wurde errichtet, um die Asche von vor allem chinesisch-vietnamesischen Gläubigen aufzubewahren.

 

Die Thien Hung Pagode ist ein weiterer Ruheort für die Asche von Verstorbenen. Sie wurde im 20. Jahrhundert auf der Van Kiep Straße eröffnet und ist – wie die Khanh Van Nam Pagode – ein Ort, an dem die Anwohner die Asche ihrer Liebsten aufbewahren und ihre Seelen verehren. Verwandte besuchen die Toten während des Vu Lan Festes und an anderen wichtigen Jahrestagen und manchmal auch an gewöhnlichen Tagen, da man in der Pagode Trost in einem Augenblick der Stille finden kann und für manche ist es sogar einen Ort, um für Vergebung der begangenen Sünden zu bitten.

 

Aber nach Thien An, dem dienstältesten Mönchen der Thien Hung Pagode, ist der alte Glaube, dass während des Vu Lan Festes die Seelen der Toten in ihre Häuser zurückkehren und an der gemeinsamen Mahlzeit, die die Verwandten vorbereitet haben, teilnehmen, mittlerweile nicht mehr eine religiöse Praxis oder Aberglauben, sondern mehr eine Tradition, die dazu führt, dass die Verstorbenen in Erinnerung behalten werden.

 

Chu Tu, der Hüter der Khanh Van Nam Pagode dessen Vorfahren aus der Provinz Guangdong in China stammen, betont dankbar, dass einige Besucher, abgesehen von der Reinigung der Urnen ihrer Verstorbenen, ihm auch helfen, von den anderen Urnen den Staub abzuwischen, vor allem bei den Urnen, bei denen keine Verwandten mehr zur Pflege kommen. Diese Hilfe ist eine große Erleichterung für Chu Tu, da es so scheint, dass er die Aufgabe alleine auf Grund der stetig wachsenden Zahl von Urnen in der Pagode nicht mehr bewältigen könnte. Er sagt, es tue ihm leid für die Urnen, die von ihren Angehörigen vergessen worden zu sein scheinen. Er stelle fest, dass vor allem die Jugend keinen Respekt oder gar Dankbarkeit für ihre Ältesten zu haben scheinen.

 

Die Asche eines Verstorbenen in der Khanh Van Nam Pagode aufzubewahren, kostet etwa 1 Mio. VND (50 US $). Die neueste Entwicklung ist, dass nicht nur Verstorbene einen Platz in Pagoden bekommen, sondern sich auch die Lebenden einen Platz im Ascheraum für ihr Leben nach dem Tod reservieren können. Die Urnen, insbesondere diejenigen der Verlassenen, können in der Pagode für 20 Jahre bleiben. Erst danach wird die Familie der Toten gebeten, die Urnen ihrer Verstorbenen abzuholen und die Asche ins Meer oder in den Fluss zu werfen. Dieses Ritual wird Wasserbestattung genannt.

 

Aber der Mönch Thien An ist der Auffassung, dass kindliche Pietät nicht nur praktiziert werden sollte, nachdem eine Person stirbt, sondern bereits wenn er/sie noch am Leben ist. Als Mönch glaubt er, dass nicht nur Buddhisten oder Taoisten, sondern jeder Einzelne Respekt gegenüber seinen Eltern zeigen sollte und das nicht nur während des Vu Lan Festes oder zu besonderen Anlässen, sondern, dass der Respekt gegenüber den Eltern als wichtigste Tugend des täglichen Lebens hochgehalten werden sollte. Unser Leben auf der Erde ist nur vorübergehend und so sollten wir jeden Moment davon mit liebevollen und glücklichen Erinnerungen und mit unseren Eltern und der Familie als Ganzes verbringen.