Chè - köstliche Desserts auf den Straßen Saigons

Ein beliebtes vietnamesisches Dessert heißt chè und ist eine traditionelle süße Suppe oder ein gesüßter Brei, der in zahlreichen Varianten auftreten kann. Chè kann heiß oder kalt serviert werden, in Schüsseln, Gläsern oder über Eis, als Beilage zu Dumplings, Kartoffeln oder einfach mit fast allem, was gut dazu passt. Jede Sorte von chè wird von einem beschreibenden Wort oder einer Phrase begleitet, das dem Wort chè folgt, wie chè đậu, chè sắn bộtor oder chè củ năn. Aber es ist unmöglich eine komplette Liste der chè-Sorten aufzustellen, da es endlose Möglichkeiten hinsichtlich der Kombinationen von Zutaten gibt. Obwohl chè original „rote Bohnen chè“ heißt, lassen die Köche des Nachtischs in Vietnam ihrer Fantasie freien Lauf und mischen das Dessert mit Mungobohnen, Mondbohnen, Hyazinthenbohnen, schwarzen Bohnen, Azuki-Bohnen oder verschiedenen Erbsensorten. Neben allen chè-Kreationen mit ihren verschiedenen Namen in den jeweiligen Teilen Vietnams, haben verschiedene Regionen auch ihre eigenen Methoden entwickelt, um den Nachtisch zuzubereiten.

 

Im Allgemeinen werden chè aus einem Mix verschiedener Bohnen und/oder Klebreis hergestellt, in Wasser gekocht und mit Zucker gesüßt. Andere Zutaten können Tapiokastärke, Salz und Extrakt von Pandane-Blättern sein. In Südvietnam sind chè oft mit Kokosnusscreme angereichert. In Nordvietnam sind beliebte chè-Kreationen chè ngô (mit Mais als ein Hauptbestandteil) und chè con ong (eine Mischung aus Klebreis, Ingwer, Honig und Sirup, die eine zuckersüße Suppe ergibt).

 

Diese köstliche, proteinreiche und erfrischende Speise, die eine schnelle Entlastung von Hunger und Durst bietet, kostet nur 4.000 VND und ist an Buden, bei fliegenden Händlern und Schnell-Restaurants sehr beliebt. Aber wenn man in Ho Chi Minh Stadt lebt, wäre es unmöglich, nicht zu wissen, wo man die besten chès der Stadt findet. Egal wie überwältigend der Ort ist und egal wie überfüllt die Straßen sind, finden die Leute trotzdem die Möglichkeit, an der kleinen Ecke der Cong Quynh und der Cao Ba Nha Straße (im Distrikt 1) einen Halt einzulegen, wo die 50-jährige Thanh bereits seit drei Jahrzehnten chè verkauft.

 

Sie haben richtig gelesen: seit 30 Jahren! Seitdem durchläuft sie jeden Tag die gleiche Routine, weicht abends vor dem Schlafengehen Bohnen und Klebreis ein und steht jeden Tag um 3 Uhr morgens auf, um einen Topf nach dem anderen von dem süßen, auf Bohnen basierendem Dessert zu kochen. Um 9 Uhr schleppt sie einen Stuhl, einen Eimer zum Waschen und Servierschüsseln zu ihrer kleinen Ecke, um sicherzugehen, dass sie rechtzeitig bereit ist, die großen Alu-Container mit Klebreis und süßer Kokosnusssuppe zu mischen, und beginnt dann um 11 Uhr morgens den Verkauf. In den nächsten Stunden kann jeder Kunde ein wunderbares Kunstwerk bestaunen, wenn man sie dabei beobachtet, wie sie geschickt die vielen verschiedenen Zutaten zu einer leckeren, bunten Mixtur zusammenfügt. Ihre Hände bewegen sich schnell von einem Topf zum anderen, während sie gewürfelten Taro und Süßkartoffeln auftut, etwas Kokosmilchsuppe hinzuschöpft und das Ganze mit einem Haufen Reis abrundet.

 

Da sie dieses Prozedere fast non-stop bis zum Nachmittag wiederholt, verkauft sie ihre letzten Schüsseln manchmal bereits um 16 Uhr. Sie muss nichts mit nach Hause nehmen, da die Kundschaft täglich so gerne ihre chès probiert. Doch woher hat sie die Energie, das jeden Tag durchzuhalten? Vielleicht sind die drei Jahrzehnte Erfahrung an sieben Tagen der Woche mehr als genug, um diese Fähigkeiten zu erlangen. Aber nur dank ihrer großen Disziplin kann sie so einfach eine solche Routine aufrechterhalten. Thanh ist in der Regel um 21 Uhr im Bett.

 

Diese erstaunliche chè-Verkäuferin stellte früher verschiedene Sorten des süßen Desserts her. Aber im Laufe der Zeit haben sich fünf best-verkaufende Varianten herauskristallisiert, die alle in Thanhs schaumiger Kokosnusssuppe hergestellt werden. Chè khoai kombiniert kleine Stücke von lila Taro, die al dente sind, mit einem gummiartigen Klebreis-Brei. Chè táo xọn besteht aus einer klaren Tapiokafüllung, die mit grünen Linsen übersät wird. Diese Variante enthält weniger Mungobohnen. Chè bắp ist mit Mais in einer kondensierten und cremigen Variante gefüllt. Bei chè bà ba brodeln leuchtend orangene Brocken von Maniok, zähe und glasige Tapioka-Würfel und Süßkartoffeln zusammen in einer leichteren Variante des Desserts auf Kokosnuss-Basis. Diese Variante wird vor allem mit gekochten Erdnüssen garniert.

 

Thanh kann sich noch an den genauen Anblick der Cong Quynh Straße zu Beginn ihrer Arbeit erinnern. Aber mittlerweile sind die meisten der Personen in ihrer Erinnerung weitergezogen. Sie schätzt, dass 70 Prozent der Familien in der Gegend ihre Häuser verkauft haben und weggezogen sind. Inzwischen sind die alten, kleinen Häuser, die früher ihre Ecke umgaben von riesigen Gebäuden ersetzt worden. Aber ihr kleiner chè-Stand hat all die Jahre hier gestanden, die vergangen sind und ebenso Thanh selbst. Und ihre chè werden momentan immer gefragter.