Die Einsäulenpagode (Chùa Một Cột)

In Hanoi finden wir ganz in der Nähe des eindrucksvollen Präsidentenpalastes ein völlig anderes kleines und feines Kleinod, dass von Fremden leicht als skurril übersehen werden könnte, das von Vietnamesen aber gern und häufig besucht wird: die „Một Cột“ Pagode (zu deutsch: die Einsäulenpagode). Der Name ist sofort ersichtlich, es gibt aber einen zweiten Namen: Pagode der Göttin Quan-Âm. Quan-Âm ist die Göttin der Barmherzigkeit.

Nach der Legende erschien dem bereits alten und kinderlosen König Lý Thái Tông (1000 - 1054) im Traum die Göttin Quan-Âm. Sie saß auf einer Lotusblüte und überreichte ihm einen Knaben. Der König nahm daraufhin ein Bauernmädchen, das er zuvor kennen gelernt hatte, als Konkubine. Diese schenkte ihm endlich den lange ersehnten und von der Göttin vorausgesagten Thronfolger. Zutiefst dankbar erbaute Lý Thái Tông daraufhin im Jahre 1049 die Einsäulenpagode zu Ehren der Göttin der Barmherzigkeit.

Die Pagode stand auf einem Baumstamm inmitten eines quadratischen künstlich angelegten Sees, indem zur entsprechenden Zeit der Lotus in voller Blüte steht. Sie hat eine Grundfläche von 3 Meter mal 3 Meter und ist aus Holz. Eine Treppe führt hinauf. Im Innern befindet sich eine Statue von Quan-Âm.

Im Laufe ihrer 1000jährigen Geschichte ist diese Pagode immer wieder zerstört worden. Und immer wurde sie von den Vietnamesen wieder aufgebaut. Zuletzt zerstörte die französische Besatzungsarmee sie kurz vor dem Verlassen Viet Nams. 1955 errichteten die Vietnamesen sie von neuem. Dieses Mal wurde allerdings statt der Holzsäule eine Betonsäule zum Aufbau verwendet.

Wir sind versucht, ‚Leider!’ zu sagen. Doch das werden wir in Vietnam immer wieder finden: Den Versuch, das Alte und Traditionelle und das Moderne miteinander so zu verbinden, dass beides lebbar ist. Ob Beton oder Holz, die Bodhisattva Quan-Âm wird auch zukünftig weiter als Kinderbringerin hier verehrt werden und ein Besuch lohnt sich allemal.