24.03.2010

Lạc Long Quân und Âu Cơ - Legende des alten Vietnam

Vor Tausenden von Jahren, während der Herrschaft des Königs Kinh Dương Vương, war das Königreich Xích Quỷ eine unbekannte Strecke weiten Landes weit im Osten und lehnte mit seinem Rücken an einer Reihe hoher Berge, während es andererseits entlang einer Küstenlinie am Ozean lag. Der König heiratete die Prinzessin Long Nữ, die Tochter von Động Đình Vương, des Herrschers über den Động Đình See. Sie wurden mit einem Kind gesegnet - einem Jungen den sie Sung Lam nannten - im Königreich als Lạc Long Quân (Drachenherrscher von Lac) gekannt. Wegen der Blutslinie Long Nữ’s dachte man, der Sohn sei ein Nachfahre der Linie der Drachen. Und in der Tat: Lạc Long Quân war außerordentlich stark und intelligent. Doch die Abstammung von der Unterwasserwelt seiner Mutter ließ in ihm eine starke Faszination für den Ozean entstehen, weshalb man den jungen Mann oft an der Küstenlinie entlangwandern und die Wellen und Meereskreaturen erforschen sah.

 

Bald folgte er seinem Vater auf den Thron und regierte den Lac-Viet Stamm. Zu jener Zeit wurden die Hochlande im Norden von einem anderen König beherrscht. Deren König Đế Lai hatte eine wunderschöne Tochter: Die Fee Âu Cơ. Im Willen, die beiden Königreiche und Stämme zu vereinen erklärte er sich einverstanden, seine Tochter mit dem jungen Mann zu vermählen. Zur Hochzeit wurde ein riesiges Fest gefeiert, um Âu Cơ und Lạc Long Quân zu vereinigen. Denn auch die Königreiche feierten ihre Einheit.

 

Die Zeit schritt voran und Âu Cơ gebar Kinder: 100 Eier an der Zahl, aus denen 100 wunderschöne Kinder schlüpften. Die Kinder wurden so stark und gerissen wie ihr Vater und so gutherzig und fähig wie ihre Mutter. Ihnen wurde gut gelehrt, wie man sein Land bebaute und in Wohlstand leben kann. Doch schon bald wurde das Paar unglücklich. Lạc Long Quân sehnte sich aus tiefstem Herzen nach dem Meer und der Küste, während Âu Cơ unentwegt nach dem Hochland schmachtete.

 

Das Paar entschied sich seine Kinder aufzuteilen: 50 sollten mit Lạc Long Quân an der Küste leben, während die anderen 50 mit Âu Cơ ins Hochland vordringen sollten. Trotz der Trennung versprachen sie sich gegenseitig selbst über die Distanz aufeinander Acht zu geben und immer bereit zu sein, sollte der andere Hilfe brauchen.

 

Lạc Long Quân begab sich mit seinen 50 Kindern zur Küste und teilte das Land in kleinere Gebiete ein, die jeweils einem von ihnen unterstehen würden. Er lehrte sie das Fischen und die Kunst, Tätowierungen anzubringen, die Meereskreaturen auf der Jagd nach Futter fernhalten würden. Er lehrte sie auch, Reis anzubauen und wie man ihn in Bambusstücken kochte. Auch Âu Cơ teilte das Land ein und ließ es von ihren Kindern verwalten. Ihnen wurde beigebracht, in den Dschungeln und Bergen zu überleben, wie man Tiere züchtete und wie man den Boden kultivieren musste, um Obst anbauen zu können. Sie zeigte ihnen auch, wie man Häuser auf Bambusstelzen baut, um wilde Tiere abzuhalten.

 

Die Kinder von Lạc Long Quân und Âu Cơ sollen die ersten Vietnamesen gewesen sein. Heute nennen sich die Vietnamesen selbst die "Kinder des Drache und der Fee" und beziehen sich dabei auf die Blutlinie der Legende. Diese Legende einigt die verschiedenen Regionen Vietnams  zu einer Nation. So wie es versprochen wurde kümmert man sich umeinander, da alle Vietnamesen sich und ihren Stamm lieben, ehren und beschützen sollen.

 

Viele Autoren und Wissenschaftler schreiben diesem Märchen große Bedeutung zu. Aus vielerlei Hinsicht mag das stimmen. Viele begründend die nationale Einheit und kulturelle Toleranz Vietnams darin. Andere wollen darin den Nachweis für matriarchalische Gesellschaften lesen und deren Gleichstellung zum Patriarchat. Für viele vietnamesische Frauen ist ihre Urahnin eine Heldin und ein Symbol für die Nation und ihre Rechte zu kämpfen.