04.04.2010

Die Geschichte von Tấm und Cám

Irgendwann einmal, vor langer Zeit, lebte ein Mädchen namens Tấm. Ihre Mutter war bereits gestorben, als sie noch sehr jung gewesen war. Doch trotz der fehlenden Mutter war Tấm ein sehr glückliches Mädchen, da ihr Vater, der sie über alles liebte, alle seine Tage dafür aufopferte sie zu erziehen und zu behüten. Doch alles änderte sich, als Tấms Vater sich in eine böse Frau verliebte, die er auch heiratete und ihm ein Kind gebar: Cám.

 

Doch bald schon behandelten Cám und ihre Mutter Tấm sehr schlecht, da sie eifersüchtig auf die Liebe des Vaters waren. Sie zwangen sie in Lumpen für sie zu kochen, die Flure zu putzen und das ganze Haus zu bewirten, sowie Tag und Nacht Wasser zu holen. Doch Tag für Tag, egal wie hart die Arbeit war, sah sie immer noch strahlend und herrlich aus. Mit Haaren, so weich wie der Wind, Haut, so weich wie die Wolken und einer Stimme so süß, dass die Nachtigallen vor Neid erblassten. Deshalb versuchte ihre Siefmutter auch, sie los zu werden. Hierzu sandte sie Tấm auf gefährliche Botengänge, in der Hoffnung, ihr möge Leid widerfahren und sie nicht zurückkehren. Doch jedes mal kam Tấm sicher wieder nach Hause, was jedoch den Hass auf sie nur noch steigerte.

 

Eines Tages sandte die Stiefmutter Tấm und Cám gemeinsam zum Fischen an den Fluss und versprach diejenige die mehr Fisch fangen würde mit einem wunderschönen roten Áo yếm Seidenstoff zu belohnen. In der Hoffnung, endlich etwas Schönes tragen zu können arbeitete Tấm um so härter, allen Fisch zu fangen, den sie kriegen konnte. Am Ende des Tages hatte sie ihren ganzen Korb voll davon. Da jedoch Cám den ganzen Nachmittag damit zugebracht hatte auf der Flussbank umherzuwandern, realisierte sie erst jetzt, dass ihr Korb noch immer leer war. Auf dem Heimweg überredete sie Tấm, sich im Fluss zu baden. Währenddessen vertauschte die gerissene Schwester die Körbe und eilte nach Hause.

 

Als Tấm feststellte, dass ihr Korb leer war, sank ihr das Herz und zerbrach in Tränen, da sie wusste, dass sie die rote Seide nie Tragen würde. Doch plötzlich erhob sich ein stechender Wind gegen ihre Haut und als Tấm aufsah erschien ihr die Göttin der Gnade. Sie hatte ihre Leiden miterlebt und versprach nach ihr zu sehen und bat das Mädchen in den Korb zu sehen um einen kleinen goldenen Fisch zu finden. Sie gebot Tấm, den Fisch nach Hause zu bringen und sich gut darum zu kümmern.

 

Folgsam nahm sie den Fisch mit zum Brunnen hinterm Haus und fütterte ihn mit Essensresten, die sie hatte aufheben können, wie die Göttin es verlangt hatte. Täglich wartete der Fisch gierig darauf, dass Tấm kam und ihm Futter brachte. Er sprang würdevoll zu Tấms Gesang und schon bald war der Fisch Tấms einziger Freund. Aber die eifersüchtige Stiefmutter konnte es nicht ertragen, Tấm glücklich zu sehen. Deshalb sandte sie Tấm auf einen Botengang, nahm den Fisch aus dem Brunnen und kochte ihn zum Abendessen.

 

Als Tấm ihren Fisch nicht mehr finden konnte, brach ihr Herz und sie weinte. Wieder erschien die Göttin der Gnade und gab ihr den Rat, die Knochen des Fisches in 4 verschiedenen Gefäßen unter jeder Ecke ihres Bettes zu begraben, und wieder war Tấm folgsam.

 

Die Zeit verging bis eines Tages die Nachricht umging, der König würde eine große Feier abhalten. Da jeder eingeladen war freute sich Tấm auf den kommenden Ball. Der Tag kam schließlich auch und jeder war fasziniert. Um Tấm von der kommenden Feier fernzuhalten mischte ihre Stiefmutter zwei große Tachen schwarzer und grüner Bohnen zusammen und beauftragte Tấm, alle auseinander zu sortieren, bevor sie ging. So ließen Cám und ihre Mutter in ihren prächtigen Kleidern die arme Tấm alleine zu Hause zurück.

 

Unter Tränen sortierte Tấm die Bohnen aus, obwohl sie wusste, sie könnte nie rechtzeitig fertig sein, um noch zum Ball zu gehen. Doch plötzlich erschien die Göttin der Gnade abermals vor ihr und verwandelte die umherfliegenden Fliegen in Spatzen, die die Bohnen schnell sortiert hatten. Währenddessen befahl die Göttin Tấm die 4 begrabenen Gefäße an den Ecken ihres Bettes auszugraben. Zu ihrer Überraschung enthielt nun jedes dieser Gefäße extravagante Schätze, die gemeinsam eine wunderschöne seidene Gewandung bildeten, mit Juwelen, goldenen Pantoffeln und einer wunderschönen Kutsche. Schnell zog Tấm sich an und fuhr geschwind mit der Kutsche zu den Palasttoren. Versehentlich fiel ihr auf dem Weg eine der Pantoffeln in den Fluss.

 

Die einzelne Pantoffel wurde den Fluss bis zum Palast hinabgespült, wo ihn ein Diener fand und zum König brachte. Dermaßen von dessen Schönheit und Glanz besessen beschloss dieser die Frau zu ehelichen, deren Fuß perfekt hineinpassen würde. Alle Frauen hofften, ihre Füße würden passen, auch Cám, aber keine hatte Erfolg. Doch dann erschien eine frau in einem wundervollen Seidenen Gewandt vor dem König, die bereits den zugehörigen zweiten Pantoffel am Fuß trug. Als der König sah, dass auch der Pantoffel den er gehabt hatte an ihrem zweiten Fuß perfekt saß, wusste der König, dass er gerade seine neue Königin gefunden hatte. Noch in jener Nacht heiratete der König Tấm und ließ zu ihren Ehren das Fest abhalten.

 

Nun eine Königin lebte Tấm in einem schönen Palast mit ihrem geliebten König, währen ihre Eifersüchtigen Stiefmutter und Stiefschwester in ihrem alten Haus bleiben mussten. Doch als der Jahrestag des Vaters kam musste sie als gute Tochter nach Hause kommen. Ihre gerissene Stiefmutter bat Tấm auf einen Areca-Baum zu klettern um Betelnüsse zu sammeln und auf den Altar des Vaters zu legen. Tấm stimmte zu und kletterte auf dem Baum. Unterdessen fällte die Stiefmutter den Baum mit einer Axt. Tấm fiel und starb. Cám, die gerne Königin sein wollte, zog sich die königlichen Gewänder ihrer Schwester an und ging in den Palast um den Platz ihrer Schwester einzunehmen.

 

Tấm, die sich nach ihrem geliebten sehnte wurde als wunderschöne Nachtigall wiedergeboren und flog in des Königs Garten. Dieser - verbittert durch den Verlust seiner wunderschönen Königin - sehnte sich ununterbrochen nach Tấm. Er wurde still und wollte oft alleine sein. Eines Tages, als er durch seinen Garten schritt sang eine Nachtigall eine wundervolle Melodie, die des Königs Herz ergriff. An Tấms wunderschönen Gesang erinnert rief der König der Nachtigall zu, auf seinen Roben zu landen, falls sie der Geist seiner verstorbenen Königin sei. Als der Vogel exakt dies tat, war dieser zutiefst erfreut und gab Befehl, einen goldenen Käfig neben seinem Bett aufzustellen. Dort verbrachte er nun viele Tage bei der Nachtigall, die ihm immer herrliche Lieder sang. Doch Cám, die der König nie lieb gewinnen konnte, wurde eifersüchtig auf den Vogel. Als der König einen Tag fort war nahm sie ihn aus dem Käfig, tötete ihn und begrub ihn in den Wäldern.

 

Die Zeit verging und ein prachtvoller Baum war an der Stelle erwachsen, an der die Nachtigall begraben lag. Er trug nichts, als einer einzelnen goldenen Frucht, die herrlich duftete. Eine arme alte Frau kam eines Tages des Weges und bewunderte die herrliche Frucht. Sie bat sie herunterzufallen und versprach sie nicht zu essen sondern lediglich zu bewundern. Und siehe da! Die Frucht fiel zu ihr herab und die Frau bewahrte sie, wie versprochen. Sie stellte die Frucht auf den Tisch, aber nicht um sie zu essen, sondern um ihren süßen Geruch zu genießen.

 

Als die alte Frau am nächsten Tag nach Hause kam war sie überrascht: Ihr Haus war aufgeräumt und ein delikates Mahl wartete auf dem Tisch auf sie. Neugierig, zu erfahren, wer die herzensgute Person sei, die all das getan hatte, gab sie am nächsten Tag vor, das Haus zu verlassen, wartete jedoch hinter der Tür. Zu ihrer Überraschung kam die wunderschöne Tấm aus der goldenen Frucht und fing an, aufzuräumen. Schnell schälte die alte Frau die Frucht, so dass die Erscheinung nicht wieder darin verschwinden könne. Dann behielt sie Tấm wie eine eigene Tochter in ihrem Haus in den Wäldern.

 

Eines Tages auf der Jagd gewahr der König einen sehr speziellen Geruch nach Betel, der ihn auf ganz bestimmte Weise daran erinnerte, wie seine Königin ihn bereitet hatte. Er folgte dem Geruch, bis er schließlich an der Hütte der alten Frau ankam. Erfreut, den König zu sehen hieß die alte Frau ihn willkommen und bot ihm Tee und Betel an. Der König war erfreut über die Zubereitung des Betels, die exakt wie die seine verstorbenen Frau war. Er fragte die alte Frau, wer sie zubereitet hätte. Als sie sagte, es sei ihre Tochter, befahl er, sie ihm Vorzuführen.

 

Tấm kam und verbeugte sich vor ihm, bevor der König sie erkannte. Als sie sich schließlich erkannten weinten beide vor Glück und Tấm wurde sofort wieder in den Palast gebracht um ihren Platz als wahre Königin wieder einzunehmen.

 

Cám, die dem König nun gleichgültig war, sah, dass Tấm noch immer so schön war wie eh und je, mit ihrem Haar, stets lieblich wie der Wind, und ihrer Haut, stets weich wie die Wolken. In der Hoffnung, das Herz des Königs doch noch gewinnen zu können, wenn sie so schön wie ihre Schwester wäre bettelte sie Tấm an, ihr das Geheimnis zu enthüllen, wie man so schöne Haut bekommt. Tấm erzählte ihrer Schwester, sie solle in ein Becken kochenden Wassers springen. Cám glaubte ihrer Schwester und tat exakt wie ihr geheißen. Sie starb einen Grausamen Tod. Als ihre Mutter davon hörte weinte sie bis sie Blind war. Jetzt, da keiner mehr da war, der ihr böses wollte, konnte Tấm glücklich mit ihrem König leben.