01.05.2010

Der Ursprung des Büffels - der Preis der Eile

Am Anfang, als Ngoc Hoang, der Herrscher des Himmels, die Erde schuf, bevölkerte er sie mit Menschen und Bestien gleichermaßen. Er war sehr erfreut darüber, dass beide friedlich nebeneinander existierten und um sie zu fütter schickte er einen von seinen Djinn-Dienern hinab um den Menschen Reis, Bohnen und verschiedenes Getreide zum kultivieren zu geben. Die Samen vom Getreide legte er in eine große goldene Tasche und befahl dem Djinn sie über die Erde zu verteilen. Er gab dem Djinn auch noch eine Goldene Tasche, die Samen wilden Grases für die Bestien enthielt und befahl ihm sie dort zu sähen, wo das Getreide der Menschen nicht wüchse. Mit dieser Grundlage wusste der Herrscher des Himmels alle seine Kreationen gut mit Nahrung versorgt.

 

Seinem Meister treu ergeben begab sich der Djinn mit den zwei goldenen Taschen hinab auf die Erde. Auch wenn Djinns durchaus loyal sind, sind sie doch ein wenig faul. Doch selbst wenn seine Trödelei ihm oft Ärger einheimst, vergibt das gütige Herz seines Herrschers meist schnell. Als der Djinn schießlich die Erde erreichte leerte er die erste goldene Tasche über den riesigen Steppen. Er gedachte nach getaner Arbeit wieder in den Himmel zurückkehren zu können und beeilte sich daher. Zu seiner Überraschung wuchs wildes Gras beharrlich an den Stellen, wo er gesät hatte. Als er feststellte, dass er die falsche Tasche genommen hatte leerte er sogleich die andere Tasche.

 

Durch seine Eile waren die großen Weizenkörner seines Herrn, die so leicht zu pflegen waren, in Bruchstücke zerbrochen. Schnell säte er die kleinen Samen dort wo nun die Gräser anfingen zu wachsen. Wie auch immer, es war ohnehin zu spät, den Fehler rückgängig zu machen. Das Gras wuchs schneller als das Getreide, verbrauchte das Wasser, schirmte die Sonne und schnürte die Luft ab. Als er sah, dass an der Verwechslung nichts mehr geändert werden könnte entschied sich der Djinn in den Himmel zurückzukehren. Da er jedoch Angst vor seinem Herrn hatte verschwieg er ihm, was geschehen war.

 

Doch kurze Zeit später schon beschwerten sich die Menschen über Hunger und fehlende Nahrung. Sie beschwerten sich beim Herrscher, warum die wilden Tiere größere Weiden und viel Gras haben, während die Menschen um kleine Portionen Weizens kämpfen müssten. Sie beschwerten sich auch darüber, dass es eine so aufwendige Arbeit sei, die kleinen Samen zu pflanzen und den lästigen Prozess der Kultivierung. Verwirrt ging der Herrscher den Beschwerden der Menschen auf den Grund. Als er schließlich von des Djinns Nachlässigkeit erfuhr bestrafte er diesen Hart für seine Faulheit.

 

Denn auch wenn das Herz des Herrschers des Himmels vergebend und milde ist, war der Schaden, den der Djinn angerichtet hatte einfach zu groß. Für sein Ungehorsam und seine Verfehlungen bestrafte er ihn. Er verwandelte ihn in einen Büffel und sagte ihm: "Dein Fehler hat dazu geführt, dass wilde Pflanzen mehr und stärker wachsen, als das Getreide. Dafür bist du dazu verdammt, nur davon zu essen, da es dem Menschen nicht nützt. Außerdem sollst du ihnen, da du den Menschen zusätzliche Arbeit beschert hast, für alle Zeit dabei helfen, ihre Felder zu bearbeiten und zu pflügen."

 

Um sicherzustellen, dass er dabei bliebe, Gras zu essen gab der Herrscher dem Büffel keinen passenden Kiefer, um Weizen zu essen, deshalb hat er im Oberkiefer auch keine Zähne. In den Jahrhunderten, die seitdem vergangen sind half der Büffel immer dabei, das Land zu kultivieren und als Belohnung für seine harte Arbeit ist er seiner Nahrung auch bei der Arbeit so nahe.

 

Selbst heute noch werden Büffel vertrieben, wenn sie sich wachsenden Reisfeldern nähern. Wie auch immer, ihre Hilfe geht noch immer auf den ehemaligen Diener des Herrschers des Himmels zurück. Trotz seiner wenig grazilen Erscheinung verkörpert der Büffel doch einen armen Djinn, der einem ewigen Richtspruch dient, der aus einem kurzen Moment der Unachtsamkeit entstand.