17.08.2012

Süßwasserfisch - eine Spezialität bei Thai-Hochzeiten

Die Thai im Nordwesten Vietnams haben eine einzigartige und delikate Zubereitung für Süßwasserfisch, die für ihre Hochzeiten unverzichtbar ist.

 

In den Jahrhunderten seit sie am Fuß der Berge zwischen den Flüssen und Strömen leben haben sie viele ihrer Bräuche und Traditionen mit den Flüssen und der Reiskultivierung verbunden. Man betet für Regen, glaubt an Thuong luong (ein drachenähnliches Flussmonster) und verspritzt zum neuen Jahr Wasser über die Menschen. Ja selbst die Ehe ist daran geknüpft.

 

Der Fisch lässt sich einfach in den Flüssen fangen und ist in bei den Thai ein Spezialgericht, besonders zu wichtigen Anlässen wie Trauungen und Begräbnissen. Es wird pa bẳng (gesalzener Fisch), pa hắp (gebackener Trockenfisch) oder kurz bẳng hắp genannt und wird von der Familie des Bräutigams zum Haus der Braut gebracht.

 

Der pa bẳng wird aus delikaten Frischwasserfischen wie cá xinh, cá khuy or cá chép hergestellt. Der Fisch wird zunächst gereinigt und mit Salz, gehacktem Zyperngras und gegrilltem Reismehl gemischt, dann in ein großes Bambusrohr gesteckt und in Dong-Blätter gewickelt und zuletzt zum Fermentieren eingelagert. Wenn es bereit ist zum Brauthaus transportiert zu werden wird es in ein dünngewebtes Netz gegeben. Die Spitze des Bambusrohres wird von einem farbenfrohen Netz aus Baumbusschnüren geschmückt, die auch als Henkel dienen.

 

Pa hắp hingegen wird zwar aus dem selben Fisch hergestellt, jedoch wird der Fisch nach dem Reinigen und Salzen in einen Korb getan, der mit Dong-Blättern abgedeckt und dann trockengebacken wird. Wenn das Fest dann naht wird der Fisch in kleinen Körben mit Henkeln, die kunstvoll in farbigen Stoff gehüllt sind, vorbereitet.

 

Jeden dieser Fische muss man zum Essen grillen.

 

Warum nur sind diese Gerichte für die Thai-Hochzeit so unverzichtbar? Für die meisten Thai ist es eine reine Frage des Geschmacks. Nach der langen Zeit, die es dauert, eine Tochter zu erziehen, bis sie schließlich alt genug ist um zu heiraten, ist sie einfach den besten Fisch wert, den man bekommen kann, um ihre Hochzeit zu feiern und das ganze Dorf einzuladen. Häufig erhalten Verwandte, die von weit herkommen, auch ein Geschenk zum Mitnehmen: Bẳng hắp. Somit können sie die frohe Kunde der Hochzeit noch mit nach Hause bringen. Außerdem erweist eine Braut Gästen mit dieser Geste ihre Ehre.

 

Jedoch stehen auch symbolische Gründe hinter den traditionellen Gerichten und deren Bedeutung bei Thai-Hochzeiten. Es geht um das Gleichgewicht. Pa bẳng und pa hắp stehen für Jin und Yang und symbolisieren das Gleichgewicht, das in der Beziehung angestrebt wird, um Friede, Wohlstand und Glück zu erlangen. Da es Tiere sind, die im Wasser leben, lässt sich das leicht begründen. Der Fisch steht auch für die Erwartung von Kindern und einer guten Ehe.

 

Traditionell bestimmt die Familie der Braut die Menge an bẳng hắp, die zum Brauthaus gebracht werden müssen, doch sollte der Bräutigam arm sein lässt sich durchaus verhandeln. Es gibt aber Vorschriften: Beide Gerichte müssen gleich häufig mitgebracht werden und die Anzahl muss gerade sein.

 

Leider ist der bẳng hắp nicht mehr derart prominent, wie er es einmal war. Dies liegt sowohl an kultureller Vermischung, als auch daran, dass die Fische in den Flüssen weniger werden. Doch noch immer symbolisieren diese Gerichte die Herkunft der Thai und sind deshalb für Ethnologen und Gourmets wichtig.