Wer soll das bezahlen? Wer hat soviel Geld?

Ueber das umstrittene Grossprojekt einer Hochgeschwindigkeitseisenbahn fuer Vietnam hatte ich vor gut einem Jahr schon einmal kurz berichtet. Am vergangenen Donnerstag legte nun die Regierung die Plaene fuer den Neubau der Eisenbahnstrecke, der mit technischer Unterstuetzung Japans realisiert werden soll, dem Staendigen Kommitee der Nationalversammlung vor.

Die Strecke von Hanoi nach Hồ Chí Minh-Stadt soll 1.570 Kilomter lang werden. Dazu gehoeren u.a. 43 Kilomter Bruecken ueber Strassen und Fluesse sowie 117 Kilometer Tunnel. Die Reisezeit zwischen beiden Staedten wuerde sich entscheidend verringern. Waehrend zur Zeit die schnellsten Zuege noch ungefaehr 30 Stunden benoetigen, sollen nach Fertigstellung der neuen Eisenbahn die schnellsten Expresszuege nur noch gut 5 1/2 Stunden, die Zuege mit Halt auf allen 27 Bahnhoefen nur noch knapp 7 Stunden unterwegs sein.

Die erste Phase des Projektes, dessen Baustart 2012 erfolgen soll, sieht 2020 die Eroeffnung der Teilstrecken im Norden zwischen Hanoi und Vinh sowie im Sueden zwischen Nha Trang und Hồ Chí Minh-Stadt vor. 2030 soll die Strecke von Vinh bis Đà Nẵng in Betrieb gehen. Die komplette Fertigstellung ist fuer 2035 vorgesehen. Nach neuesten Berechnungen soll der Spass 56 Millarden US-Dollar kosten. Das sind 35.6 Millionen Dollar fuer einen Kilometer. Einige Experten befuerchten sogar, dass die Gesamtkosten letztendlich bis zu 100 Millarden Dollar betragen koennten.

Angedacht ist ausserdem gemeinsam mit China der Neubau der Strecke zwischen Kunming und Hanoi, die auf chinesischer Seite seit mehreren Jahren ausser Betrieb ist, sowie der Bau einer Strecke von Hồ Chí Minh-Stadt in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh, von wo aus sie durch eine australische Firma bis nach Thailand weitergebaut soll. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik.

Verkehrsminister Hồ Nghĩa Dũng nahm zur Finanzierung des Vorhabens Stellung und betonte dabei, dass im Jahre 2030 mit einem taeglichen Passagieraufkommen von 534.000 Personen zu rechnen sei. Das waeren 195 Millonen im Jahr. Zur Deckung der Kosten, die jaehrlich 4,3 Millarden Dollar betragen sollen, kaemen 570 Millionen aus dem Staatshaushalt, 2,4 Milliarden aus der Entwicklungshilfe und Krediten der Weltbank sowie 1,2 Millarden aus der Wirtschaft, womit er wohl vor allem die vietnamesische Staatsbahn meinte.

Viele der Abgeordneten aeusserten sich wegen der enorm hohen Kosten skeptisch ueber das Vorhaben. Dr. Lê Đăng Doanh vom Zentralinstitut fuer Wirtschaftsmanagement in Hanoi, ein ehemaliger Berater des Premierministers, plaedierte dafuer, das Projekt in kleinere Abschnitte zu unterteilen und zeitlich zu strecken. Der ehemalige Verkehrsminister Đào Đình Bình argumentierte, die Regierung solle lieber die Strassen ausbauen, da der schlechte Zustand vietnamesischer Strassen, der Mangel an Gueterfracht im Schienenverkehr und das Fehlen an ausreichenden Kapazitaeten in den Haefen die wichtigsten zu loesenden Probleme seien. Cao Sĩ Kiêm, ehemaliger Chef der Staatsbank, gab zu verstehen, dass die Regierung noch nicht endgueltig geklaert haette, was es fuer Transportvorteile gaebe und wie sie die noetigen Mittel beschaffen wolle. Der Vorsitzende des Kommitees fuer Wissenschaft, Technologie und Entwicklung der Nationalversammlung Đặng Vũ Minh betonte, dass bei einem aktuellen Staatsdefizit von 39 Prozent des BIP weitere Verbindlichkeiten viel zu riskant seien und forderte die Regierung auf, weitere Details ueber die geplante Finanzierung offen zu legen.

Ich glaube, da sind noch viele kontroverse und spannende Diskussionen zu erwarten, bevor dieses Projekt realisiert werden kann.

Viele Gruesse
Cathrin

Cathrin’s Blog: Zwischen Traditionen und Moderne

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